Dennis Kipkogei läuft in Mainz unter einer Stunde, Beatrice Cheserek siegt vor starker Blanka Dörfel
Der Gutenberg Mainz-Halbmarathon hat seinen starken Aufstieg eindrucksvoll fortgesetzt:
Dennis Kipkogei krönte das Rennen mit einem hochkarätigen Streckenrekord von 59:14 Minuten. Nur in Berlin wurden bei einem deutschen City-Halbmarathonrennen jemals schnellere Zeiten gelaufen. In diesem Jahr gab es weltweit nur bei zehn Rennen noch schnellere Siegzeiten als in Mainz. Der 24-jährige kenianische Newcomer dominierte das Rennen über die 21,0975-km-Distanz und siegte mit großem Vorsprung vor seinen Landsleuten Kelvin Kipruto, der sein Debüt lief, und Jamal Kiprono. Sie waren nach 60:25 beziehungsweise 60:29 im Ziel. Tom Thurley (Munich Arthletics) war als Elfter in 64:07 bester deutscher Läufer.
Zum dritten Mal in Folge fielen in Mainz gleich beide Streckenrekorde: Schnellste Frau war die Kenianerin Beatrice Cheserek, die in 68:02 gewann. Einen starken zweiten Platz mit einer deutlichen Steigerung ihrer Bestzeit erreichte Blanka Dörfel (Berlin Athletics Capital Club). Die 24-Jährige war nach 68:06 im Ziel und wurde damit zur sechstschnellsten deutschen Läuferin aller Zeiten über die Halbmarathon-Distanz. Platz drei belegte die Äthiopierin Emebet Kebede Dessie mit 69:01.
„Wir sind sehr froh, dass wir wiederum beide Streckenrekorde brechen konnten. Eine Zeit unter einer Stunde ist natürlich etwas besonderes. Wir sind aktuell gemessen an der Männer-Siegzeit der elftschnellste Halbmarathon weltweit in diesem Jahr, das kann sich sehen lassen“, sagte Race Direktor Jo Schindler. Die Veranstalter hatten 12.960 Anmeldungen für den Halbmarathon registriert. Rahmenwettbewerbe hinzugerechnet, meldeten sich über 17.500 Athleten für das Rennen an.
Im Rennen der Männer formierte sich zunächst eine größere Spitzengruppe, die ein hohes Tempo einschlug. Die ersten Zwischenzeiten deuteten sogar auf Zielzeiten von deutlich unter 59:00 Minuten hin. Es war dann erwartungsgemäß der favorisierte Dennis Kipkogei, der sich nach rund 10 km absetzte und fortan einen großen Vorsprung herauslief. Nur auf den letzten Kilometern konnte der Kenianer bei warmem Wetter mit Temperaturen von rund 20 Grad Celsius das Tempo nicht mehr ganz halten. Dadurch verpasste er seine in Berlin Ende März gelaufene Bestzeit von 59:11 ganz knapp. „Ich bin hierher gekommen, um den Streckenrekord zu brechen und bin froh, dass ich das geschafft habe. Ich hatte etwas Probleme mit meiner Muskulatur im Oberschenkel, sonst hätte ich noch schneller laufen könnten“, sagte Dennis Kipkogei, der den bisherigen Streckenrekord von 60:50 gleich um über eineinhalb Minuten verbesserte. „Wenn ich nominiert werde, würde ich gerne bei den Halbmarathon-Weltmeisterschaften an den Start gehen.“ Die globalen Titelkämpfe finden im September in Kopenhagen statt.
Zufrieden mit seinem Rennen war Tom Thurley, obwohl er seine persönliche Bestzeit von 63:56 nur um elf Sekunden verpasste. „Die letzten Kilometer waren nicht so einfach und es war auch ziemlich warm“, sagte der Deutsche Marathon-Meister. „Jetzt werde ich erst einmal eine Erholungspause machen und danach einen Herbst-Marathon vorbereiten. Das Ziel ist dann eine Zeit von unter 2:10 Stunden.“
Im Rennen der Frauen hatte sich zunächst Joan Chepleting abgesetzt. Doch die Kenianerin hatte sich überschätzt und konnte ihr Tempo nicht halten. Kurz vor der 10-km-Marke wurde sie von einer größeren Gruppe eingeholt. In der Folge entwickelte sich ein Duell zwischen der favorisierten Beatrice Cheserek und der überraschend starken Blanka Dörfel. Auf den letzten Kilometern setzte sich die Kenianerin, die mit einer Bestzeit von 66:48 auch die schnellste Läuferin auf der Startliste war, etwas ab und gewann das Rennen. „Ich freue mich über diesen Sieg. Mein nächstes Ziel ist die Halbmarathon-WM und danach plane ich einen Herbst-Marathon“, sagte Beatrice Cheserek, die mit 68:02 den bisherigen Kursrekord von 68:52 deutlich unterbot.
Blanka Dörfel hat sich mit der deutlichen Verbesserung ihrer Bestzeit von 69:46 auf 68:06 selbst überrascht. „Ich bin einfach nur nach Gefühl gelaufen und habe erst auf der Zielgeraden auf die Uhr geschaut – da war ich total überrascht über die Zeit. So gut habe ich mich noch nie bei einem Rennen gefühlt“, sagte Blanka Dörfel, die nun im Sommer bei der EM in Birmingham voraussichtlich über 10.000 m laufen wird. „Danach würde ich sehr gerne bei der Halbmarathon-WM starten. Und im Herbst möchte ich dann mein Marathon-Debüt laufen.“ Der Mainova Frankfurt-Marathon am 25. Oktober könnte eine Option sein für Blanka Dörfel.
Text: Jörg Wenig
