24. Juni 2026 | AllgemeinRunning-News

World Athletics stoppt türkischen Läufer-„Einkauf“

Die Hoffnung der Weltklasse-Marathonläuferin Brigid Kosgei, in der Zukunft für die Türkei starten zu können, ist geplatzt. Dieser und eine Reihe weiterer Nationalitäten-Wechsel wurden von World Athletics unterbunden, wie der internationale Leichtathletik-Verband vor einiger Zeit bekannt gab. Die frühere Weltrekordlerin (2:14:04 Stunden), die im März den Tokio-Marathon gewann, wird nun weiter für Kenia laufen müssen. In der Türkei wäre es für die 32-jährige Brigid Kosgei mangels Konkurrenz relativ einfach gewesen, sich für die Olympischen Spiele 2028 zu qualifizieren. Außerdem wäre ein derartiger Wechsel in die Türkei sicherlich mit hohen finanziellen Anreizen verbunden gewesen.

 

Gleich elf Athleten sollten in einem relativ kurzen Zeitraum in die Türkei wechseln. Darunter waren fünf Läufer aus Kenia. Neben Brigid Kosgei wollten Catherine Amanang’ole, die bei der Halbmarathon-WM 2023 die Bronzemedaille gewonnen hatte und in diesem Frühjahr Platz fünf beim London-Marathon belegt hatte, Brian Kibor, der eine Halbmarathon-Weltklasse-Bestzeit von 58:39 Minuten aufweist, der 5.000-m-Olympia-Zweite von Paris 2024, Ronald Kwemoi, und

Nelvin Jepkemboi, der noch keine international nennenswerten Zeiten erreicht hat, zukünftig für die Türkei starten.

 

World Athletics erklärte, dass diese beantragten Wechsel nicht mit den entsprechenden Regeln für Nationen-Wechsel zu vereinbaren seien. Diese gelten zum Beispiel für Athleten, die ihre Heimatländer aus politischen Gründen verlassen haben.

 

Umstrittene Nationen-Wechsel gab es in den letzten Jahrzehnten immer wieder. Ein prominentes Beispiel dafür ist Kenias Hindernisläufer Stephen Cherono, der 2003 nach Katar wechselte, den Namen Saif Saeed Shaheen annahm und fortan bei großen Rennen immer wieder seine früheren Landsleute hinter sich ließ. Saeed Shaheen wurde 2003 sowie 2005 Weltmeister und stellte 2004 einen Weltrekord über 3.000 m Hindernis auf (7:53,63 Minuten), der knapp neun Jahre stand. Bei Olympia 2004 durfte er allerdings nicht starten, da damals für die Spiele die Regel galt, dass ein Athlet erst drei Jahre lang die neue Staatsbürgerschaft besitzen musste.

 

Neben zum Beispiel Israel ist auch Bahrain ein Land, das Athleten „einkaufte“. So startete die Kenianerin Rose Chelimo ab 2015 für Bahrain. 2017 wurde sie Marathon-Weltmeisterin für ihr neues Land. In diesem Februar war sie Dritte beim Osaka-Marathon in 2:22:52. Die Athleten trainieren in der Regel weiter in ihren ursprünglichen Ländern.

 

Die Türkei hat schon öfters hochklassige Läufer aus Afrika gelockt. Das vielleicht prominenteste und umstrittenste Beispiel ist die aus Äthiopien stammende Elvan Abeylegesse. Im Alter von nur 16 Jahren wurde aus Hewan Can plötzlich die Türkin Elvan Abeylegesse, nachdem sie in der Türkei geheiratet hatte. Fünf Jahre später lief sie 2004 – inzwischen wieder geschieden – im norwegischen Bergen einen 5.000-m-Weltrekord (14:24,68 Minuten), und 2010 wurde sie Doppel-Europameisterin über 5.000 und 10.000 m. Ihr damaliger Trainer, der Bulgare Ertan Hatipoglu, der zuvor keine namhaften Athleten betreut hatte, verglich die Läuferin damals mit einem Auto: „Sie hat gute Reifen und einen prima Motor, der mindestens 250 PS hat!“ 2015 wurde Elvan Abeylegesse für zwei Jahre gesperrt, nachdem man ihr Doping nachgewiesen hatte.

 

Text: Jörg Wenig

Brigid Kosgei wollte bei den nächsten Olympischen Spielen für die Türkei starten. Foto: Victah Sailer