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28. Oktober 2019 | Marathon-NewsPresse-News

Vier Erkenntnisse aus dem Mainova Frankfurt Marathon 2019

Der älteste deutsche Stadtmarathon wieder ein Festival des Laufsports / „In Frankfurt kann man Frauen-Weltrekord laufen“ / Das perfekte Heimrennen für Lokalmatadorin Katharina Steinruck / Spannung und Drama am Main garantiert

 

1. Ein gutes Pflaster für die absolute Weltklasse

Siegerin Valary Aiyabei musste nicht lange nachdenken. „Ja“, sagte die Kenianerin, „in Frankfurt kann man den Frauen-Weltrekord verbessern.“ Valary war am Sonntag losgerannt, als wollte sie in eine neue Dimension des Marathonsports stürmen. Zwar konnte sie ihr enormes Anfangstempo nicht ganz halten, aber es reichte zu einem fulminanten Sieg in neuer Streckenrekordzeit. Ihre 2:19:10 Stunden bedeuten eine Steigerung der Frankfurter Bestmarke um 86 Sekunden, dazu hat der Laufklassiker am Main nun die siebtschnellste Frauen-Streckenrekordzeit weltweit zu bieten.

 

„Valary hat unser Traumziel verwirklicht, eine Frauen-Zeit von unter 2:20 Stunden zu erreichen. Frankfurt bleibt ein gutes Pflaster für absoluten Weltklassesport“, sagte Renndirektor Jo Schindler. Hätte Valary Aiyabei eine noch bessere Zeit erreichen können, wenn sie in der ersten Rennhälfte nicht wie entfesselt losgelaufen wäre? „Ich habe hart und verletzungsfrei für Frankfurt trainiert. Das Rennen ist das Resultat meiner Vorbereitung. Es war gut so wie es war“, sagte die Siegerin, die dank der Boni für ihre herausragende Zeit auf ein Preisgeld von 80.000 Euro kommt.

 

Ihr Ehemann, mit dem sie eine gemeinsame Tochter hat, war als ihr Tempomacher schon nach 15 Kilometern mit Magenproblemen ausgestiegen. „Als sich keine weitere Läuferin zu mir gesellt hat, habe ich es alleine durchgezogen“, erzählt Valary Aiyabei, die sich dank der tollen Frankfurter Empfehlung nun große Hoffnungen macht, in das kenianische Team für die Olympischen Spielen in Tokio zu rutschen. Und um dann am 25. Oktober 2020 vielleicht für weitere läuferische Großtaten an den Main zurückzukehren.

 

2. Das perfekte Heimrennen für Katharina Steinruck

Drei Mal in Serie ist Katharina Steinruck (geb. Heinig) nun in ihrer Heimatstadt an den Start gegangen, hat drei Mal den Jubel in Orkanstärke in der Festhalle erlebt, drei Mal hat sie sportlich überzeugt. Aber beim diesjährigen Rennen hat endlich alles gepasst – von der Vorbereitung über das Wetter bis zum Rennverlauf. In 2:27:26 Stunden erreichte sie nicht nur eine tolle neue persönliche Bestzeit, sondern setzte auch „ein ganz schönes Brett“. Und meint damit den Run der besten deutschen Frauen auf die drei möglichen Tickets für Olympia 2020 in Tokio. Die Norm von 2:29:30 Stunden hat die Frankfurterin jedenfalls deutlich unterboten.

 

Katharina Steinrucks nächstes Ziel: Die persönliche Bestzeit auf eine 2:26er Zeit zu steigern. Da möchte sie sich bei ihrem angestrebten nächsten Marathonstart im Frühjahr heranpirschen. Mit der tollen Frankfurter Performance im Rücken könne sie nun bei ihrem nächsten Start über 42,195 Kilometer „etwas riskieren“. Soll heißen: Das Rennen offensiver angehen als am Sonntag, als sie die Halbmarathonmarke in 74:00 Minuten angepeilt hatte.

Und wer weiß, vielleicht erlebt der älteste deutsche Stadtmarathon im kommenden Jahr zwei Kinder der Stadt in Marathon-Topform. Neben Katharina Steinruck hat auch Homiyu Tesfaje die Zuschauer beeindruckt. Der Frankfurter weckte bei seinem Debüt über 42,195 Kilometer unterwegs Hoffnungen, dass er auf Anhieb die Olympia-Norm (2:11:30) knacken könnte. Doch von Krämpfen geplagt, zahlte Tesfaje Lehrgeld – und erreichte nach großem Kampf die Festhalle in 2:18:30. Der Athlet von Eintracht Frankfurt kündigte noch in der Festhalle an, dass er noch nicht fertig ist mit der Marathondistanz. Sondern dass dies erst der Anfang gewesen sei.

 

3. Ein schnelles Rennen, das Spannung und Drama garantiert

Schnell, flach, bestzeitenverdächtig – dafür steht die Frankfurter Strecke schon seit Jahren. Und wurde diesem Ruf auch bei der 38. Ausgabe gerecht. Sowohl bei den Eliteathleten als auch bei der Masse der ambitionierten Breitensportler. Mit Stephanie Twell, die in 2:26:40 Stunden schottischen Rekord lief, dem Israeli Maru Teferi (2:08:09) und dem Italiener Daniele Meucci (2:10:52) erreichten neben Katharina Steinruck drei weitere Athleten die Olympianorm.

 

Das Männerrennen geriet zu einem Herzschlagfinale sondergleichen. Bis zum Eingang der Festhalle duellierten sich drei Athleten um den Triumph beim Mainova Frankfurt Marathon. Dass die ersten Drei innerhalb von nur sechs Sekunden den Zielstrich erreichten, bedeutete das knappste Finish in der Frankfurter Marathongeschichte. Der Äthiopier Fikre Tefera war der strahlende Sieger, auch wenn die Siegerzeit von 2:07:08 Stunden etwas unter den Erwartungen blieb.

 

Echtes Marathondrama, das den Zuschauern den Atem stocken ließ, lieferte die Vorjahressiegerin Meskerem Assefa in der Festhalle. Keine 50 Meter vor dem Zielstrich ging die Äthiopierin entkräftet zu Boden, hatte zunächst Schwierigkeiten sich wieder aufzurappeln. Doch dann schaffte sie es doch noch, ihren dritten Platz ins Ziel zu bringen. Ein Happyend – wie so viele an diesem Tag.

Zwei Newcomer in der Marathonwelt feierten ein Frankfurter Familienfest. Der drittplatzierte Aweke Ayalew (2:07:12), der für Bahrain startet, überzeugte als Debütant ebenso wie seine Schwester Hiwot Ayalew (Äthiopien, 2:26:40) auf Rang neun.

 

4. Ein Festival des Laufsports

Das Beste kommt zum Schluss: Tausende Athleten begehen ihr Saisonfinale mit dem stimmungsvollen Mainova Frankfurt Marathon. Der schnelle Kurs, die vielen Streckenfeste, die Zuschauermassen und der schönste Zieleinlauf der Welt stehen für ein besonderes Lauferlebnis.

 

Mit der Festhalle als „emotionalem Kraftwerk der Veranstaltung“, wie Renndirektor Jo Schindler zu sagen pflegt. Schindler und seine eingespielte Crew haben in diesem Jahr ihren 18. Marathon organisiert. Dieter Otto, Verantwortlicher für die Festhalle bei der Messe Frankfurt, sagte: „Die Atmosphäre in der Festhalle war einmalig. Es war eine fantastische Veranstaltung.“

 

Mit 10.553 Finishern hat der Laufklassiker am Main seinen zweiten Platz im deutschen Marathon-Ranking gefestigt. Polizei und Rettungsdienste meldeten zudem keine besonderen Vorkommnisse.

 

Über 27.000 Teilnehmer in allen Wettbewerben des Rennwochenendes belegen, dass beim Mainova Frankfurt Marathon jeder nach seiner Lauf-Facon selig werden kann. Egal, ob er die volle 42,195-Kilometer-Distanz bewältigt, die Strecke im Rahmen des Generali Staffelmarathon als Gemeinschaftswerk angeht oder aus dem Schneider Electric Mini-Marathon sowie dem Struwwelpeter-Lauf powered bei Schneider Electric ein Familienfest macht.

Schnell, flach, bestzeitenverdächtig – dafür steht die Frankfurter Strecke schon seit Jahren. Und wurde diesem Ruf auch bei der 38. Ausgabe gerecht. Sowohl bei den Eliteathleten als auch bei der Masse der ambitionierten Breitensportler.